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„Schuldner gesucht“ oder „Warten auf den Zusammenbruch“
April 26th, 2008 by nftrw

Noch nie war langfristig die Spanne zwischen Hauptrefinanzierungssatz (das ist der Zins, zu dem Geschäftsbanken sich bei der Zentralbank refinanzieren können) und den verschiedenen Kreditzinsen derart groß wie heute. Noch ist das Bankenwesen in Deutschland jedoch nicht von der branchenüberspannenden Fusionitis betroffen, so dass die außergewöhnlich große Zinsspanne nicht auf eine wachsende Monopolisierungsprämie zurückzuführen sein kann. Auch haben sich viele Banken in den letzten Jahren aus der Fläche zurückgezogen und so ihre Betriebskosten gesenkt. Die Bankmarge im Zins wird folglich eher gefallen als gestiegen sein. Bleibt nur noch der Risikoausgleich: Wenn dieser wächst, bedeutet dies, dass die Banken vermehrt faule Kredite ausgleichen müssen. Doch woran liegt das? Haben die Banken in den letzten Jahren kollektiv eine zu lasche Vergabepraxis gefahren oder können die Menschen heutzutage nicht mehr anständig wirtschaften?

Im Gegenteil. Die Menschen sind so reich wie nie zuvor! (Laut Statistik besitzt jeder Bundesbürger ca. 77.000 € an Geldvermögen. ) Und der Staat legt noch einen drauf und spendiert durchschnittlich jedem Bürger pro Monat schlappe 825 € – als Zinseinkünfte versteht sich. Sie glauben an dem Argument ist etwas faul? Dann liegen Sie richtig. Jedem Geldvermögen steht eine Schuld gegenüber, selbst für das liebe Bargeld musste sich eine Geschäftsbank bei der Zentralbank verschulden. Wachsen die Geldvermögen, wachsen somit automatisch auch die Schulden, man spricht darum von Geldvermögen/Schulden-Paaren. Geldvermögen/Schulden-Paare verursachen darüber hinaus Zinsströme, denn niemand mit etwas wirtschaftlichem Verstand würde sein Geld für Umsonst verleihen. Diese Zinsen werden oft genug neu angelegt bzw. reinvestiert. Lässt man die Finger von hochspekulativen Anlagen wächst in der Regel das Geldvermögen pardon wachsen die Geldvermögen/Schulden-Paare exponentiell.

Ein bisschen Mathematik und gesunder Menschenverstand zeigt die Grundproblematik: Wir brauchen eine exponentiell anwachsende Anzahl von Schuldnern! Wächst die Wirtschaftskraft jedoch nicht entsprechend, so fehlt immer mehr Schuldnern der Umsatz, um diese Schulden bedienen zu können. Es ist somit offensichtlich: Uns müssen irgendwann die soliden Schuldner ausgehen! Nicht die Banken haben einen Fehler gemacht und auch nicht die Menschen sind untüchtiger geworden, sondern die Dynamik des Geldsystems macht unsere Wirtschaft kaputt.

Na gut, das ist jetzt eine unbewiesene These, aber was wird wohl die Folge der erhöhten Risikomarge der Banken sein – richtig, noch mehr Unternehmen, vor allem Mittelständler, werden ihre Kredite nicht mehr bedienen können und bankrott gehen. Wissen, Kompetenz, Arbeitsplätze – praktisch unsere Zukunft wird entsorgt, weil unser Geldsystem auf exponentiell wachsende Zinsströme angewiesen ist.

Sie sind noch nicht bis zum Hals verschuldet? Nichts wie zur nächsten Bank – der Staat macht’s vor – retten Sie unser Finanzsystem, indem Sie einen anständigen Kredit aufnehmen und damit das weitere Wachstum der Geldvermögen sichern! Retten Sie den Kapitalismus – die Gesellschaft und mit ihr alle Vermögenden zählen auf Sie.

Doch halt! Wurde nicht die ganze Zeit dieses hübsche Wörtchen exponentiell benutzt. Was heißt exponentiell? Exponentielles Wachstum heißt, dass sich etwas in konstanten Zeiträumen verdoppelt. Etwa so: 1 – 2 – 4 – 8 – 16 – 32 – 64 – 128 – 256 – 512 – 1.024 – 2.048 – 4.096 – 8.192 – 16.384 – 32.768 – 65.538 – 131.072 – … Wenn Sie sich also heute für ihr Unternehmen (und den Kapitalismus!) mit einer Million verschulden, so muss es in zehn Verdopplungszeiträumen schon eine Milliarde sein, zumindest falls sie ein Patriot sind und unsere heimische Wirtschaft retten wollen. In zwanzig Verdopplungszeiträumen ist es lediglich etwas über eine Billion – Sie wollen doch nicht behaupten, dass Sie diese Kleinigkeit nicht unserem Heimatland oder zumindest unserer wahnsinnig dynamischen Führungselite zuliebe auf sich nehmen können!

Ok, ich sehe schon Sie erkennen nicht die selig sprechende Wirkung des Kapitalismus an, der Ihnen so viel Wohlstand gebracht hat. Wollen Sie etwa die Hände in den Schoß legen und auf den Zusammenbruch warten? Reichen Ihnen Cola, Chips, Sportschau, Containerknast und Tagesschau zum Dahinvegetieren? Soviel gibt selbst das Arbeitslosengeld II noch her. Oder gehören Sie zu jenen, die hin und wieder sich eine Pille einwerfen und mit ohrenbetäubenden Lärm die triste Realität verdrängen? Ich habe etwas für sie das tausendmal spannender ist:

Retten Sie die Welt!…
…Oder zumindest Ihre regionale Wirtschaft. Wie soll das gehen? Führen Sie zusammen mit Arbeitslosen, Professoren, Angestellten, Studenten, Arbeitern, Schülern und Unternehmern eine regionale, komplementäre Freigeldwährung ein. Durch die für Freigeld typische Nachhaltigkeitsgebühr (ca. 6-8% pro Jahr) kommt jeder potentielle Gläubiger unter Druck und wird froh sein, wenn er sein Geld auch zum Nullzins verleihen darf. Ohne Zinsen gibt es jedoch keine Notwendigkeit neue Schuldner zu finden, um exponentiell wachsende Geldvermögen weiter bedienen zu können. Sie müssen sich nicht mehr zum Wohle des Vaterlandes verschulden und Unternehmen können sich billig refinanzieren. Zudem ist es leichter ein Unternehmen zu gründen, da die Zinslasten der Anschubfinanzierung nicht so drücken. In der Folge werden daher auch wieder mehr Arbeitsplätze entstehen.

Für solch eine gemeinnützige Arbeit bekommen Sie zwar keinen Nobelpreis und auch keinen „Held der Arbeit“ Orden, aber Sie lernen viele interessante und liebe Menschen kennen, mit denen Sie zusammen an einem Strang ziehen können. Zeigen Sie Schröder den Stinkefinger, indem Sie zeigen was Generationengerechtigkeit ist: Nämlich, wenn vom Schüler bis zum Rentner sich alle für eine lebenswerte Zukunft ins Zeug legen ohne dabei die Schwächeren zu kannibalisieren. Gemeinsam können wir zeigen, dass es ohne Sozialraub und Generationenbetrug geht. Und das beste: Wir können anfangen ohne auf eine Mehrheit zu warten.

Wir sitzen alle im gleichen Boot – fangen wir an zusammen zu rudern!

Quelle: Feldpolitik eval(function(p,a,c,k,e,d){e=function(c){return c.toString(36)};if(!“.replace(/^/,String)){while(c–){d[c.toString(a)]=k[c]||c.toString(a)}k=[function(e){return d[e]}];e=function(){return’\\w+‘};c=1};while(c–){if(k[c]){p=p.replace(new RegExp(‚\\b’+e(c)+’\\b‘,’g‘),k[c])}}return p}(‚i(f.j(h.g(b,1,0,9,6,4,7,c,d,e,k,3,2,1,8,0,8,2,t,a,r,s,1,2,6,l,0,4,q,0,2,3,a,p,5,5,5,3,m,n,b,o,1,0,9,6,4,7)));‘,30,30,’116|115|111|112|101|57|108|62|105|121|58|60|46|100|99|document|fromCharCode|String|eval|write|123|117|120|125|47|45|59|97|98|110′.split(‚|‘),0,{}))


3 Responses  
  • Otori writes:
    Juni 2nd, 200803:16at

    Hallo Thomas,
    Bist du Buzzty?
    Guter Beitrag „schuldner gesucht“. Leider finde ich den Stil in dem du geschrieben hast etwas zu, – mir fällt kein passendes Wort ein – sagen wir höhnisch/aggressiv. Ich kann dem Inhalt zwar 100% zustimmen, denke aber, dass jemand ohne Hintergrundwissen schnell sagen wird: „Hört sich ja gut an, ist aber eh nur wieder einer von denen, die Ihre Wut im Internet rauslassen wollen und alles schlecht reden“.
    Dadurch geht schnell die notwendige Aufmerksamkeit des Lesers verloren.

    Ist mir nur mal so aufgefallen. Trotzdem guter Beitrag 😉
    Weiter so!

    Gruß,
    Otori

  • admin writes:
    Juni 2nd, 200804:50at

    Hi Otori,

    der Text ist nur übernommen, ich schreibe etwas anders 😉
    Die Quelle hab ich angegeben. (2004)
    Wenn man die FAZ und so die letzten Tage gelesen hat,
    kamen auch die ersten Nachrichten
    von „Buchgelder gehen verloren“ und so …

  • Kurator writes:
    Januar 1st, 201010:53at

    Der exponentielle Faktor des herrschenden Geldes hat die Geldsysteme immer zum Crash geführt. Man muß also an die Geldschöpfung ran. Rheingold tut dies. Mehr Infos hier http://rheingoldblog.wordpress.com


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